Logo Leibniz Universität Hannover
Logo: Institut für Massivbau
Logo Leibniz Universität Hannover
Logo: Institut für Massivbau
  • Zielgruppen
  • Suche
 

Massivbauexkursion Magdeburg 2015

Pünktlich zum Semesterbeginn fand die diesjährige Massivbauexkursion statt. Auf der Tagesordnung standen der Besuch des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg sowie die Besichtigung des Herstellungsprozesses von Betonfertigteilen für Windenergieanlagen bei der WEC Turmbau GmbH Magdeburg.

Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg befindet sich nördlich der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts und dient zur Überquerung des Mittellandkanals über die Elbe. Die Bestandteile des Wasserstraßenkreuzes sind zum einen die Kanalbrücke Magdeburg und zum anderen die Sparschleusen Rothensee und Hohenwarthe. Die Sparschleuse Rothensee, die das erste Exkursionsziel darstellte, verbindet den Mittellandkanal mit dem Magdeburger Hafen und der Elbe. Hier wurden die Exkursionsteilnehmer von Herrn Ruszczynski (WNA Magdeburg) und Herrn Stratmann (WSA Magdeburg) empfangen, die der Gruppe die Funktion und den Betrieb der Schleuse erläuterten und durch die Anlage führten. Die Schleuse mit ihrer 12,5 m breiten, 190 m langen und 20 m hohen Schleusenkammer wurde als Sparschleuse konstruiert, wodurch 60 Prozent des Schleusenwasserbedarfs eingespart werden. Dies erfolgt durch das Einleiten des Betriebswassers in Sparbecken. Nur 40 Prozent des Schleusenkammerinhaltes müssen aus der oberen Haltung entnommen werden. Bei Schleusungen nach unten muss dieses Wasser in die untere Haltung abgelassen und nachträglich in die obere Haltung zurückgepumpt werden. Dies sowie die Funktion der Schleusentore und der Rollschütze zum Verschluss der Längskanäle wurden von Herrn Stratmann eindrucksvoll erläutert. Letztlich wurde der Gruppe ein Einblick in den Schleusenbetriebsstand gewährt.

Bild 1: Schleusenkammer um Betriebsgebäude der Sparschleuse RothenseeBild 2: Betriebsstand der Sparschleuse Rothensee

 

Im Anschluss führte Herr Ruszczynski die Exkursionsteilnehmer an die Kanalbrücke Magdeburg. Die Brücke wurde auf ganzer Länge als Stahlkonstruktion ausgeführt. Die Gesamtlänge von 918 m gliedert sich in die Strombrücke mit einer Länge von 228 m sowie die Vorlandbrücke mit einer Länge von 690 m. Das Tragsystem der Strombrücke in Längsrichtung ist ein Dreifeldträger mit einer maximalen Stützweite von 106 m. In Querrichtung wurde ein Trogquerschnitt gewählt. Die beiden außenliegenden Längsträger besitzen eine Konstruktionshöhe von ca. 8,2 m und eine Breite von 4 m. Die äußeren Wände der Hauptträger sind als Fachwerk aufgelöst. Über den Strompfeilern befinden sich Kalottenlager, welche einen Durchmesser von 2,18 m besitzen und eine Vertikallast von 135 MN (13.500 Tonnen) abtragen müssen. Alle Vertikallager der Brücke sind mit einem automatischen Mess- und Auswertesystem zur Erfassung der Gleit- und Kippspalte und insbesondere der Lagerkräfte ausgerüstet. Dabei wurde diese Art der Lagerkraftmessung beim Bau der Kanalbrücke zum ersten Mal realisiert. Im Betriebszustand „leerer Trog“ entstehen Zugkräfte in den einzelnen Vertikallagern infolge Zwängungen und Umlagerungen unter Temperaturbeanspruchungen. Zur Vermeidung von Lagerschäden infolge Abheben und späterer undefinierter Rückstellung in anderer Lage werden alle Auflagerquerträger in die Pfeiler abgespannt. Dadurch sind permanente Druckkräfte in allen Lagern gewährleitstet.

 

Bild 3: Kanalbrücke MagdeburgBild 4: Kanalbrücke Magdeburg (Blick von einem Pfeiler)

 

Nach der Besichtigung der Kanalbrücke und der Verabschiedung von Herrn Ruszczynski und Herrn Stratmann ging es zur WEC Turmbau GmbH Magdeburg, die als Tochterunternehmen der Firma Enercon Betonfertigteile für die Türme von Windenergieanlagen herstellt. Zur Bewahrung von Betriebsgeheimnissen herrschte auf dem gesamten Werksgelände striktes Fotografierverbot. Aufgrund der Personenanzahl wurde die Exkursionsgruppe geteilt und durch zwei Firmenmitarbeiter durch die Werkshallen geführt. Die Herstellung der Betonhalbschalen bzw. –drittelschalen (Abhängig von der Größe des Turmsegments) erfolgt komplett bei der Firma WEC Turmbau. Mit der vorhandenen Betonmischanlage können täglich bis zu 700 m³ Beton hergestellt werden. Auf der Produktionsstraße werden die Fertigteile bewehrt, eingeschalt, betoniert und mit zusätzlichen Einbauteilen ausgestattet. Drei Stunden nach der Betonage können die Fertigteile wieder ausgeschalt und den weiteren Produktionsschritten zugeführt werden.  Der Abtransport der Fertigteile kann sowohl per Lkw oder per Schiff vom Magdeburger Hafen erfolgen.

Nach Beendigung der Werksbesichtigung traten wir die Heimreise nach Hannover an. Rundum war dies eine gelungene Exkursion, die den Studenten Einblicke und interessante Informationen zur Herstellung und den Betrieb von Ingenieurbauwerken bot.