Institut
Geschichte

Geschichte des Instituts für Massivbau

Die frühen Jahre

Ursprünge des Massivbaus in Hannover

  • Beginn der Ausbildung von Bauingenieuren

    1845

    Beginn der Ausbildung von Bauingenieuren an der Höheren Gewerbeschule Hannover


    1853

    In den Jahren zwischen 1845 bis 1853 findet ein starker Ausbau des Lehrbereichs Bauwesen statt. Hauptantrieb hierfür ist der Beginn des Eisenbahnbaus in Hannover ab 1842. Die Ausbildung gliedert sich zu dieser Zeit in die drei Fachrichtungen Wasserbau, Verkehrsbau und Baukonstruktionen, dem heutigen Konstruktiven Ingenieurbau.

  • Die Anfänge des Massivbaus unter Robert Otzen und Kurt Gaede

    EHLERT ROBERT FRIEDRICH OTZEN

    Im Jahr 1908 wird Ehlert Robert Friedrich Otzen Professor für Eisenbau und Statik. Ab 1911 kommt das Lehrgebiet Eisenbeton hinzu, welches ab 1914 in Massivbau umbenannt wird. Robert Otzen gehört zu den Personen, die den neu eingeführten Begriff, welcher den Stein-, Beton- und Eisenbetonbau zusammenfasst, prägen (R. Otzen, Der Massivbau, 1926). Außerdem wird ihm die Prägung des zu seiner Zeit neuen Begriffs Autobahn anstelle des bis dahin verwendeten Begriffs Nur-Autostraße zugeschrieben. 1931 verlässt Otzen Hannover und wird Präsident des Staatlichen Materialprüfungsamts, der heutigen Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).


    KURT WILHELM GAEDE

    Auf Robert Otzen folgt im Jahr 1932 Kurt Wilhelm Gaede als Professor für Massivbau an der mittlerweile umbenannten Technischen Hochschule Hannover. Die Lehrgebiete sind zu dieser Zeit sehr vielfältig und schließen auch Baubetrieb und die Statik der Baukonstruktionen mit ein. Ab 1939 werden Studierende zusätzlich in Baustoffkunde unterrichtet. Neben der Leitung des Lehrstuhls ist er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1954 auch Direktor des Instituts für Bauingenieurwesen.

  • Gebäude
    © From Wikimedia Commons
    Die Polytechnische Schule in Hannover um 1850 (Vorgänger der heutigen Leibniz Universität Hannover)
Geburtsstunde des Instituts für Massivbau

Entwicklung zu einer Forschungsstätte mit hohem internationalen Ansehen

  • Teilung des Lehrstuhls

    1955

    In der Nachkriegszeit nimmt die Anwendung des Massivbaus enorm zu. Neben der Einführung höherer Betonfestigkeiten und hochwertiger Stähle ist hier vor allem die Entwicklung des Spannbetonbaus zu nennen. Diesen Entwicklungen wird Rechnung getragen, indem der Lehrstuhl nach der Emeritierung Kurt Gaedes in den Lehrstuhl für Baustoffkunde und in den Lehrstuhl für Massivbau getrennt wird. Während der baustoffliche Bereich ab 1955 von Josepf Weinhold übernommen wird, beruft man im Jahre 1957 Wolfgang Zerna an den nun eigenständigen Lehrstuhl für Massivbau.

  • Wolfgang Zerna (1957-1967)

    WOLFGANG ZERNA

    Wolfgang Zerna übernimmt im Jahr 1957 den Lehrstuhl als Ordinarius für Massivbau. Er war bereits seit 1952 als apl. Professor am Institut tätig. Früh erkannte Zerna das Potential des elektronischen Rechnens für die Forschung. So wird bereits ein Jahr nach Antritt eine elektronische Rechenanlage des Typs ZUSE Typ Z 22 R (Röhrencomputer) für numerische Untersuchungen beschafft. Hinzu kam eine automatische Zeichenanlage ZUSE GRAPHOMAT Z 64 zur graphischen Darstellung der Rechenergebnisse. Das Institut leistet zu jener Zeit Pionierarbeit im Bereich des Computereinsatzes im Bauwesen. Kaum ein vergleichbares Institut verfügte über derartige Anlagen. Aus der Abteilung  Automatisches Rechnen und Konstruieren entwickelt sich später ein eigenständiges Institut.

    Darüber hinaus reift die Erkenntnis, dass der Lehrstuhl um eine experimentelle Abteilung ergänzt werden muss, um effektiv Forschung betreiben zu können. 1961 wird daher eine experimentelle Abteilung zu Forschungszwecken gegründet. Diese erhält den Namen Institut für Massivbau und besteht parallel zum Lehrstuhl. Direktor des Instituts ist Wolfgang Zerna.

    1967 verlässt Zerna Hannover um ein Institut für Konstruktiven Ingenieurbau an der Ruhr-Universität Bochum aufzubauen.

  • Gebäude und Räumlichkeiten

    RÄUMLICHKEITEN DES INSTITUTS ZU DIESER ZEIT

    Ab 1956 Räumlichkeiten des Lehrstuhls im Erdgeschoss in der Brühlstraße 27
    • Von 1960 - 1965 weitere Räume in der Königsworther Straße 3
    • Von 1964 - 1974 Räume im Woolworth-Gebäude (E-Damm 53) für experimentelle Untersuchungen
    • Von 1965 - 1973 weitere Räume im Neubau der Üstra in der Goethestraße

      

Die Entwicklung des Instituts ab 1968

Verbesserte experimentelle Möglichkeiten und Zusammenfassung von Lehrstuhl und Institut

  • Vakanz des Lehrstuhls

    HEINRICH TROST

    Nach Zerna besteht zunächst eine Vakanz am Lehrstuhl für Massivbau und am Institut für Massivbau. Klaus-Wolfgang Bieger übernimmt 1968 zunächst kommissarisch die Leitung beider Einrichtungen. Die operative Leitung übernimmt derweil Heinrich Trost, welcher seit 1966 wissenschaftlicher Rat und Professor für das Lehrgebiet Massivbrücken und Spannbeton ist. Trost leistet zu dieser Zeit bedeutende Arbeiten im Bereich des zeitabhängigen Betonverhaltens (Kriechen). 1971 folgt Trost einem Ruf auf den Lehrstuhl für Massivbau der RWTH Aachen.

  • Klaus-Wolfgang Bieger (1970-1992)

    KLAUS-WOLFGANG BIEGER

    1970 übernimmt  Klaus-Wolfgang Bieger endgültig die Leitung beider Einrichtungen. Zuvor war er bereits 1965 an den Lehrstuhl für Statik und Baukonstruktion der Architektur-Abteilung  berufen worden. Unter seiner Ägide erfahren die experimentellen Möglichkeiten eine enorme Verbesserung. Zunächst wird ab 1976 eine kleine Versuchshalle betrieben. Im Jahr 1985 wird dann die heute noch in Betrieb befindliche, große Versuchshalle am Schneiderberg errichtet, welche gemeinsam mit den Instituten für Stahlbau und Baustoffkunde betrieben wird. Zudem zieht der Lehrstuhl in das Hochhaus an der Appelstraße 9A um.

    Im Zuge der Hochschulreform werden 1978 der Lehrstuhl und das Institut zur wissenschaftlichen Einrichtung Institut für Massivbau in seiner heutigen Form zusammengelegt. 1992 erfolgt nach 24-jähriger Amtszeit die Emeritierung.

  • Gebäude und Räumlichkeiten

    RÄUMLICHKEITEN DES INSTITUTS ZU DIESER ZEIT

    © From Wikimedia Commons
    1973 Umzug in das neue Mehrzweckgebäude (MZ) in der Appelstr. 9A – alle Büroräume, Bibliothek, Archiv und Seminarraum sind bis heute im 3.OG
    © IfMa
    Bau der Großen Versuchshalle am Schneiderberg
Die Entwicklung des Instituts ab 1993

Forschung in den Bereichen numerische Verfahren und der Sicherheitstheorie

  • Jürgen Grünberg (1993-2010)

    JÜRGEN GRÜNBERG

    Ab 1993 übernimmt Jürgen Grünberg die Leitung des Instituts für Massivbau. Er führt die erfolgreiche Forschung seiner Vorgänger fort und setzt eigene Akzente bei der Entwicklung mechanischer und numerischer Modelle sowie im Bereich der Sicherheitskonzepte und Bemessungsregeln für den Konstruktiven Ingenieurbau. Unter der Führung von Grünberg findet eine Modernisierung der Arbeitsplätze statt. Sämtliche Büros werden mit PCs und Internet ausgestattet. Im Jahr 2010 tritt er in den Ruhestand.

  • Gebäude und Räumlichkeiten

    RÄUMLICHKEITEN DES INSTITUTS ZU DIESER ZEIT

    © From Wikimedia Commons
    Mehrzweckgebäude (MZ) in der Appelstr. 9A – alle Büroräume, Bibliothek, Archiv und Seminarraum sind bis heute im 3.OG
    © IfMa
    Große Versuchshalle am Schneiderberg
Die Entwicklung des Instituts seit 2011

Das Institut in seiner heutigen Form

  • Steffen Marx (2011-heute)

    STEFFEN MARX

    © U. v. Stipriaan

    Im Jahr 2011 wird Steffen Marx Leiter des Instituts für Massivbau. Auf seine Initiative wird ein weltweit einmaliger Resonanzprüfstand für Ermüdungsuntersuchung an Großbauteilen errichtet und 2014 in Betrieb genommen. Über Schwerpunkte in der Forschung können Sie sich hier informieren.

  • Gebäude und Räumlichkeiten

    RÄUMLICHKEITEN DES INSTITUTS ZU DIESER ZEIT

    © FBG/C. Bierwagen
    Mehrzweckgebäude (MZ) in der Appelstr. 9A, das Institut sitzt dort im 3. OG
    © IfMa
    Große Versuchshalle am Schneiderberg
    © IfMa
    Forschungslabor Betonermüdung (Marienwerder)
    © IfMa/C. Bierwagen
    Forschungslabor Betonermüdung (Marienwerder) - Innenansicht
Liste aller Professuren

Eine vollständige Liste aller ordentlichen Professuren rund um das Institut für Massivbau

  • Ordentliche Professuren

    R. OTZEN

    (1911 - 1931)


    K. GAEDE

    (1932 - 1954)


    W. ZERNA

    (1957 - 1967)


    H. TROST

    (1966 - 1971)


    K.-W. BIEGER

    (1968 - 1992)


    J. ROTH

    (1976 - 2001)


    J. GRÜNBERG

    (1993 - 2011)


    N. FOUAD

    (2001 - 2003)


    S. MARX

    © U. v. Stipriaan

    (2011 - HEUTE)


Quellen

Lierse, J.; Roth, J.; Hamfler, H. (Hrsg.): Festschrift Klaus-Wolfgng Bieger. Bericht Nr. 9210, Eigenverlag (1992)

Grünberg, J.; Lierse, J.; Roth, J. (Hrsg.): 40 Jahre Institut für Massivbau. Bericht Nr. 9730, Eigenverlag (1997)

Hansen, M.; Lierse, J. (Hrsg.): Jürgen Grünberg zum 60. Geburtstag. Berichte des Instituts für Massivbau, Heft Nr. 3, Frauenhofer IRB Verlag (2005)

Seidel, R. (Hrsg.): Festschrift zum 175-jährigem Bestehen der Universität Hannover - Band 1: Universität Hannover 1831 - 2006. Georg Olms Verlag (2006)

Gerken, H. (Hrsg.): Festschrift zum 175-jährigem Bestehen der Universität Hannover - Band 2: Catalogus Professorum 1831 - 2006. Georg Olms Verlag (2006)

Grünberg, J. (Hrsg.): 50 Jahre Institut für Massivbau der Leibniz Universität Hannover. Berichte des Instituts für Massivbau, Heft Nr. 5, Frauenhofer IRB Verlag (2007)

Inst. f. Massivbau (Hrsg.): Rückblick - Dem Leiter des Instituts für Massivbau der LUH Herrn Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Grünberg zum 65. Geburtstag. Eigenverlag (2009)

Bildnachweise: Sofern nicht anders angegeben, sind die Bilder aus der Festschrift zum 175-jährigem Bestehen der Universität Hannover - Band 2: Catalogus Professorum (Georg Olms Verlag, 2006) entnommen.