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Brückenbauexkursion 2019 China

INGENIEUR- UND BRÜCKENBAUEXKURSION 2019 NACH CHINA

© D. Gebauer

Nach einem Jahr Pause fand dieses Jahr die nächste Brückenbauexkursion statt. Genauer gesagt war es dieses Jahr eine Brücken- und Ingenieurbauexkursion. Das Ziel war China – das Reich der Mitte – mit seiner Vielzahl an Rekordbrücken und spektakulären Bauwerken. Unsere Route führte uns dabei von Shanghai über Zhenjiang, Wuhan, Zhangjiajie und Jishou nach Changsha.

An der ersten Station in Shanghai standen neben einigen Brückenbauwerken und dem Expo-Gelände vor allem die beeindruckenden Hochhäuser des Pudong-Distrikts im Mittelpunkt. Zusätzlich haben wir die Tongjie Universität mit ihrer herausragenden Brückenbau-Fakultät besucht und konnten uns einen Eindruck von der außergewöhnlichen Versuchstechnik machen. Hierzu zählten unter anderen einer der größten Erdbebenversuchsstände der Welt, welcher aus sechs unabhängigen Shake-Tablen besteht.

Nach drei intensiven Tagen in Shanghai führte uns unser Weg weiter nach Zhenjiang. Unterwegs erwarteten uns zwei Highlights der gesamten Exkursion. Der staatliche Brückenbaukonzern BRDI gab uns die Möglichkeit zwei imposante Brückenbaustellen zu besichtigen. Als erstes stand die Hutong Yangtze River Bridge, eine Schrägseilbrücke mit 1092 m Spannweite, auf dem Programm. Es handelte sich dabei um eine doppelstöckige, kombinierte Highway- und Eisenbahnbrücke mit einem Fachwerküberbau. Der Überbau war bereits vollständig angehängt und befand sich im Ausbau. Wir hatten die Möglichkeit beide Ebenen zu begehen. Bei der zweiten, nicht weniger spektakulären Baustelle handelte es sich um die Wufengshan Yangtze River Bridge, eine Hängebrücke mit ebenfalls 1092 m Spannweite. Hier bekamen wir die Möglichkeit nach einer acht minütigen Auffahrt den Pylon zu begehen und einen ganz speziellen Blickwinkel auf die aktuellen Bauzustände zu erhalten. Die Hauptkabel der Brücke waren bereits über die Pylone gespannt und das erste Segment des Überbaus war angehangen.

Überwältigt von den gewonnen Eindrücken ging unsere Reise mit dem Schnellzug weiter in die Brückenhauptstadt Chinas, Wuhan. Es standen weitere Rekordbrücken, die Besichtigung des MBEC-Brückenmuseums und ein Workshop bei BRDI auf dem Programm. Um einen Ausgleich zu all den spektakulären Brücken zu bekommen und auch die Kultur Chinas etwas aufzusaugen, besuchten wir die Pagode des gelben Kranichs und besichtigten den Campus der Wuhan University inklusive eines kleinen Fußballspiels gegen eine internationale Auswahl, die wir spontan zum Match herausgefordert hatten.

Nachdem wir Wuhan verlassen hatten, führte uns unser Weg zu einem etwas anderen Ingenieurbauwerk, der Drei-Schluchten-Talsperre. Es handelt sich dabei um eine Stauanlage mit Wasserkraftwerk, Doppelschleuse und Schiffshebewerk. Durch die Staumauer wir der Yangtze Fluss über 663 km aufgestaut. Die Generatorleistung mit 22,5 Gigawatt ist die größte der Erde. Auch hier also Rekorde über Rekorde.

Anschließend machten wir im Zhangjiajie-Nationalpark halt, in der Hoffnung die berühmten "Avatarberge" zu sehen. Leider machte uns hier das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir konnten bei 20 m-Sicht im Nebel maximal das Gefühl bekommen, dass wir gerade über den Wolken spazieren. Die damit verbundene Sporteinheit mit dem 8000-Stufen-Aufstieg brachte jedoch die vom ständigen Zug- und Busfahren etwas eingerosteten Knochen wieder in Bewegung. Der folgende Tag führte uns zur Glasbrücke von Zhangjiajie, auf der man durch Glasböden bis zu 360 m in die Schlucht schauen kann. Eine Herausforderung für jeden, der nicht schwindelfrei ist.

Bevor wir anschließend in Changsha ankamen, besuchten wir noch die Aizhai Bridge und die Longjin-Wind and Rain Bridge in Zhijiang, wo wir neben diesem im traditionellen aus Stein und Holz errichteten Bauwerk auch eine Tempelanlage besuchten und von einer am Ufer übenden Gruppe der Dong-Minderheit zum gemeinsamen Tanz aufgefordert wurden.

Zum Abschluss nahmen wir am Internationalen Studentenwettbewerb der Central South University (CSU) in Changsha teil. Hierbei trat das Institut für Massivbau (IfMa) mit drei Gruppen in zwei Disziplinen an. In der ersten Disziplin wurden erdbebenresistente Brücken aus dem 3D-Drucker auf Standsicherheit der Konstruktion und Lagesicherheit eines darauf befindlichen Zuges getestet. In der zweiten Disziplin wurde ein selbstverdichtender Beton (SVB) entwickelt und die Eignung durch Frischbetontests und eine Testbetonage geprüft. Im SVB-Wettbewerb konnte das IfMa-Team den zweiten Platz erringen und hatte den einzigen Probekörper betoniert, der durch Festigkeit und Belastbarkeit bestach. Im Rahmen des Wettbewerbs nahmen wir auch an einem Workshop zum internationalen studentischen Austausch teil. Drei Gruppen brachten den übrigen Teilnehmern das Hochschulsystem in Deutschland, das Studium in Hannover und die Stadt selbst näher. Im Gegenzug haben wir dieselben Eindrücke durch Studierende der CSU erhalten. Natürlich ließen wir es uns auch in Changsha nicht nehmen, die spektakulärsten Brücken der Stadt zu besichtigen.

Die zweiwöchige Chinaexkursion stellt auch innerhalb der Exkursionsreihe des IfMa eine absolute Ausnahmeexkursion dar. Viele Momente werden den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben und einige Erlebnisse werden in der Form wohl nur einmal im Leben stattgefunden haben. Die Teilnehmer der Exkursion und das Institut für Massivbau möchten sich daher an dieser Stelle bei sämtlichen Unterstützern bedanken, ohne die diese Exkursion nicht möglich gewesen wäre.

Exkursionsbericht_1.1_2019_doppelseitig.pdf
PDF, 44 MB
Exkursionsbericht_1.1_2019_english_doppelseitig.pdf
PDF, 44 MB

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